„Paddel und Pedal“ – Inklusion in Ostfriesland

Viel positiver Zuspruch

Seit April betreibt der Bezirksverband Oldenburg die beiden Stationen mit psychisch beeinträchtigten Menschen aus seinen Wohnheimen.

Die Saison für Paddel und Pedal steuert auf die Zielgerade zu – bald werden die Boote und Räder, mit denen die Urlauber und Tagesgäste auf und am Ems-Jade-Kanal entlangfuhren, eingelagert. Zeit für einen Rückblick auf die Saison, vor allem mit Blick auf den Wechsel des Betreibers. Denn – wie berichtet– werden die beiden Stationen von „Paddel und Pedal“ in Sande und im benachbarten Friedeburg seit Saisonbeginn vom Bezirksverband Oldenburg (BVO) betrieben – mithin von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

Bild: NWZ Online / Paddel und Pedal.

„Die beiden Paddel- und Pedalstationen werden von den Gästen sehr gut angenommen“, sagt BVO-Sprecher Michael Löning. Gut fünf Monate nach dem Betreiberwechsel haben Frieslands Landrat und BVO-Vorsitzender Sven Ambrosy, Geschäftsführer Frank Diekhoff sowie Bettina Werner als Leiterin der BVO-Wohnheime in Sande und Friedensstraße in Wilhelmshaven ein positives Fazit gezogen. „Natürlich hängt es sehr vom Wetter ab, ob an der Station viel los ist oder nicht. Das haben wir in diesem durchwachsenem Sommer deutlich gespürt“, sagt Bettina Werner. „Mit dem Zuspruch, den wir von unseren Gästen und unseren Bewohnern erhalten, sind wir sehr zufrieden.“

Bis Mitte August wurden seit der Übernahme in Sande 363 Kanus und 122 Fahrräder verliehen. 1080 Personen haben die Station besucht, so Löninger. In Friedeburg lag die Auslastung – wie auch schon in den Jahren zuvor – deutlich darunter. Dennoch: In der Summe gab es ein Besucherplus von rund zehn Prozent, berichtet Arno Ewen. Er Kümmert sich bei der Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“ um die insgesamt 21 Paddel- und Pedalstationen.

Bild: Paddel und Pedal.

Sehr zufrieden sind auch die Bewohner, die im Rahmen der Tagesstruktur die beiden Stationen betreuen, berichtet Michael Löning. Sie seien „mittendrin und mit vollem Elan dabei“, wenn es um den Verleih und die Pflege der Boote und Räder, die Pflege der Außenanlagen oder um den Verkauf von Kaffee und Kuchen an den beiden Paddel- und Pedalstationen geht. „Jeder packt an, so gut es nach seinen Möglichkeiten geht.“

Die Bewohner der Wohnheime „Friedenstraße“ und „Sande“ haben psychische Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Psychosen oder Zwangsstörungen, die sie an einer selbstständigen Lebensführung hindern. Im geschützten Rahmen der Wohnheime lernen sie, wieder allein den Alltag zu bewältigen. Dies gelingt durch kleine Wohngruppen, die eigenständig ihren Haushalt führen und die Fachkräfte eng betreuen.

Die Arbeit an den Paddel- und Pedalstationen steht im Gegensatz zu den sonstigen Tätigkeiten der Tagesstruktur, die normalerweise im Wohnheim stattfinden: Mit Übernahme der beiden Stationen entsteht ein Miteinander von Bewohnern und Gästen, das auch eventuell bestehende Vorurteile abbaut.

Sinnstiftende Arbeit

Die Tätigkeit der Bewohner an den Stationen zeigt, dass sie mittendrin sind und eine Arbeit leisten, die sinnstiftend ist. Eine gute Chance der Inklusion, die genutzt werden muss und wie sich zeigt, auch erfolgreich ist“, sagt Sven Ambrosy,

Bild: Paddel und Pedal.

Berührungsängste zwischen Gästen und Bewohnern gab es bislang nicht. „Genau das war unsere Absicht. Wir wollen, dass unsere Gäste mit den Bewohnern ins Gespräch kommen. Diese Gespräche machen die Gäste neugierig auf unsere Arbeit, das freut uns“, so Bettina Werner.

Seit Anfang April ist der BVO Betreiber beider Stationen. Bewohner aus den Einrichtungen in Sande und Wilhelmshaven kümmern sich um die Pflege der Grünanlagen, Boote und Räder, verkaufen Süßigkeiten, Kuchen und Getränke und sind Ansprechpartner für die Gäste.

   www.paddelundpedal.de 

22 PADDEL- UND PEDALSTATIONEN

Paddel und Pedal ist ein kombiniertes Ausflugsprogramm mit Boot und Fahrrad. Die Teilnehmer können mit dem Boot auf den Kanälen von Station zu Station paddeln, dort aufs Fahrrad umsteigen und wieder zurück zum Ausgangspunkt fahren oder weiter bis zur nächsten Station paddeln – ganz nach Belieben und Kondition.

Boote, Räder, Schwimmwesten können an den jeweiligen Stationen in Empfang genommen und zurückgegeben werden.

Sande ist seit April 2008 an das bis in holländische Gewässer reichende Netz der 22 Paddel-und-Pedal-Stationen angeschlossen. Sande ist dabei die östlichste, Blauwestad (bei Winschoten, NL) die westlichste Station.

Info und Kontakt: Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“ in Leer, Tel. 0491/ 91 96 96 30.

Quellen

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